Energiemarkt-Brief Ausgabe 1: Strom und Gas 2027 bis 2029, wo der Anstieg wirklich sitzt
Ausgabe 1 · 1. September 2026 · Segment Wohnwirtschaft · Aktuelle Ausgabe: Ausgabe 2 vom 23. September 2026
Strom und Gas 2027 bis 2029: Wo der Anstieg wirklich sitzt
Wo wir stehen
Die Energiepreise sind im August erneut gestiegen. Der Anstieg trifft aber nicht alle Lieferjahre gleich. Am stärksten betroffen ist 2027. Wer für 2028 oder 2029 einkauft, findet einen ruhigeren Markt vor. Was das für Ihre Beschaffung bedeutet, steht im Folgenden.
Die Preise der letzten vier Wochen
| Lieferjahr | Strom | 4 Wochen | Gas | 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| 2027 | 113,45 €/MWh | +8,8 % | 50,30 €/MWh | +15,3 % |
| 2028 | 91,24 €/MWh | +5,1 % | 34,25 €/MWh | +9,2 % |
| 2029 | 81,48 €/MWh | +4,6 % | 27,99 €/MWh | +2,9 % |
EEX-Settlement, Stand 28.08.2026, Vergleich 31.07.2026
Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist der Preissprung ein Thema des nächsten Lieferjahres. Strom für 2027 kostet 8,8 Prozent mehr als vor vier Wochen, Strom für 2029 nur 4,6 Prozent. Bei Gas ist der Unterschied noch größer: 15,3 Prozent für 2027, aber 2,9 Prozent für 2029. Am Markt heißt dieses nächste volle Lieferjahr das Frontjahr. Es ist derzeit das teuerste der drei.


Zweitens gilt: Je später das Lieferjahr, desto niedriger der Preis. Strom für 2029 notiert 28 Prozent unter Strom für 2027, bei Gas sind es 44 Prozent. Dieser Abstand ist in den vergangenen vier Wochen noch größer geworden. Bei Gas wuchs er von 16,43 auf 22,30 Euro je Megawattstunde, bei Strom von 26,37 auf 31,97 Euro. Der Markt rechnet die Knappheit also vor allem in das nächste Lieferjahr ein, kaum in die Jahre dahinter. Das ist der heute handelbare Preis für eine spätere Lieferung, keine Vorhersage.
Warum die Preise steigen
Der Grund liegt in diesem Sommer. Hitze und Niedrigwasser haben in Europa Kern- und Wasserkraft aus dem Markt genommen. Gaskraftwerke sind eingesprungen. Ihr Gas fehlt jetzt in den Speichern. Dazu kommt ein zweiter Punkt: Gas für den Sommer ist derzeit teurer als Gas für den Winter. Einspeichern rechnet sich damit kaum.
Der Speicherstand ist deshalb die Zahl, auf die wir in jeder Ausgabe schauen. Das eingelagerte Gas steht im Winter nicht nur für Heizungen bereit, sondern auch für die Stromerzeugung. Es wirkt damit auf beide Preise.

Am 29. August waren die deutschen Speicher zu 52,6 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag der Vorjahre waren es 70,3 Prozent im Jahr 2025, 94,9 Prozent 2024, 93,9 Prozent 2023 und 83,7 Prozent 2022. Auch der Tiefpunkt fiel in diesem Jahr tiefer aus als sonst. Er lag am 25. Februar bei 20,5 Prozent und damit unter dem Minimum des Krisenjahres 2022 von 24,5 Prozent.
Ausblick
Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage als stabil. Die Initiative Energien Speichern geht davon aus, dass die Speicher zum 1. November rund 76 Prozent erreichen können. Das ist eine Annahme, keine feste Marke. Bei einem milden Winter reicht das aus. Bei einem sehr kalten fehlten im Februar und März 2027 bis zu 9 TWh pro Monat.
Solche Einschätzungen unterstellen einen normalen Verlauf. Die Lieferungen kommen an, die Handelswege bleiben offen, es kommt nichts Neues dazu. Genau darin liegt die Schwäche jeder Prognose. Ein geopolitisches Ereignis oder eine Störung in den Lieferketten ist in solchen Rechnungen nicht enthalten und wirkt unmittelbar auf den Energiepreis. Wir halten die Lage deshalb für weniger entspannt, als die Zahlen der Behörden nahelegen. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose.
Auf 2028 und 2029 wirkt dieser Winter kaum noch. Dort steht ein anderer Termin im Kalender: Der nationale CO2-Preis bleibt 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, der europäische Emissionshandel für Gebäude beginnt 2028.
Was wir empfehlen
Zwei Punkte, die sich aus den Zahlen oben begründen lassen.
Für 2027 zählt Tempo. Das Frontjahr ist binnen vier Wochen deutlich teurer geworden, bei Gas um 15,3 Prozent. Wer die Menge für 2027 noch beschaffen muss, sollte jetzt handeln. Weniger als ein halbes Jahr vor Lieferbeginn einzukaufen ist nach unserer Erfahrung die schlechteste Ausgangslage. Hausverwaltungen brauchen dabei Planungssicherheit und keine Folge einzelner Zukaufstermine. Häufig ist deshalb ein Vertrag über mehrere Lieferjahre die bessere Lösung: Das teure 2027 wird mit den günstigeren Jahren 2028 und 2029 zu einem Mischpreis verrechnet. Wie das für Ihre Objekte aussieht, klären wir im Einzelfall.
2028 und vor allem 2029 früh sichern. Beide Lieferjahre notieren klar unter 2027, und der Abstand ist zuletzt größer geworden. Wer für diese Jahre zu einem vernünftigen Preis abschließen kann, sollte früh handeln. Darauf zu warten, dass die Preise später noch einmal fallen, ist aus unserer Sicht die schlechtere Wette. Das ist unsere Einschätzung auf Basis der aktuellen Kurse.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Objekte gegenüber dem heutigen Marktniveau stehen, schauen wir uns Ihre Verträge gern an. Wir bündeln die Jahresmengen mehrerer Liegenschaften und holen Angebote bei regionalen Stadtwerken ein.
Wie wir dabei vorgehen: Energieeinkauf für Hausverwaltungen und Ablauf der Ausschreibung.
Verbrauchsabrechnung schicken und Angebot einholen
Eine kurze Rückmeldung genügt.
Peter Krämer · Inhaber
Telefon 0711 925 361 30
peter.kraemer@industria-consulting.de
Die Ausgabe als PDF
Energiemarkt-Brief Ausgabe 1 als PDF (3 Seiten)
Den Energiemarkt-Brief per E-Mail erhalten
Der Brief erscheint alle 14 Tage. Wenn Sie ihn per E-Mail erhalten möchten, genügt eine kurze Nachricht an mail@industria-consulting.de. Abmelden geht jederzeit auf demselben Weg.
Quellen dieser Ausgabe
- EEX, Settlement-Preise Strom Base und Gas THE, Lieferjahre 2027 bis 2029, Stand 28.08.2026, eigene tägliche Erhebung; Gasspeicher Deutschland, Füllstände 2022 bis 2026, Stand 29.08.2026: GIE AGSI+, https://agsi.gie.eu/
- Initiative Energien Speichern, INES-Gas-Szenarien: Marktbedingungen gefährden Wiederbefüllung der Gasspeicher (07.07.2026): https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-marktbedingungen-gefaehrden-wiederbefuellung-der-gasspeicher-versorgungssicherheit-im-winter-erfordert-zusaetzliche-anreize/
- ZfK (Zeitung für kommunale Wirtschaft), Strompreise steigen: Hitze bremst Wasser- und Atomkraft (03.08.2026): https://www.zfk.de/unternehmen/nachrichten/hitzesommer-niedrigwasser-strompreis-gas-und-wasserkraftwerke
- t-online, Gasspeicher-Füllstände: Hitze bremst das Befüllen, INES warnt (Anfang August 2026): https://www.t-online.de/heim-garten/aktuelles/id_101371616/gasspeicher-fuellstaende-hitze-bremst-das-befuellen-ines-warnt.html
- presse.online, Gasspeicher bleiben kritisch niedrig (12.08.2026): https://presse.online/2026/08/12/gasspeicher-bleiben-kritisch-niedrig/
- Haufe, BEHG-Reform: So bleibt der CO2-Preis 2027 stabil (13.08.2026): https://www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/eu-recht-reform-von-emissionshandel-und-co2-bepreisung_84342_642252.html
Die dargestellten Inhalte spiegeln die Meinung des Autors wider. Die zukünftige Entwicklung der dargestellten Produkte kann davon abweichen. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Information in diesem Beitrag ist als Beratung zu verstehen.



