Für produzierendes Gewerbe, Filialisten und Großverbraucher gibt es kein Standardverfahren. Diese Kunden behandeln wir komplett individuell. Das Bedarfsprofil bestimmt, welches Beschaffungsmodell in Frage kommt.
Ein Großkunde kann eine einzelne Produktionshalle mit je einem Strom- und einem Gaszähler betreiben oder zwanzig Filialen an zwanzig Standorten. Über das Beschaffungsmodell entscheidet dabei nicht die Zahl der Abnahmestellen. Maßgeblich ist, wie sich der Verbrauch über das Jahr, die Woche und den Tag verteilt. Das lesen wir aus Ihren Verbrauchsabrechnungen und Ihren Lastgängen heraus, bevor über ein Vertragsmodell gesprochen wird. Wie eine Ausschreibung abläuft, ist Schritt für Schritt beschrieben.
Produzierendes Gewerbe, Industriebetriebe, Filialisten und Großverbraucher in Strom und Gas.
Grundlage
Verbrauchsabrechnungen und, wo registrierend gemessen wird, der Lastgang der Abnahmestelle.
Modelle
Festpreis am Terminmarkt, Spot, Tranchen, prozentuale Pakete und Mischformen daraus.
Region
Esslingen am Neckar, Stuttgart und Umkreis.
Beschaffung
Vertragsmodelle, die für Großkunden in Frage kommen
Spotmarkt und Terminmarkt sind die beiden Märkte, an denen Strom und Gas gehandelt werden. Die Vertragsmodelle unterscheiden sich darin, welchen Anteil des Jahresbedarfs Sie zu welchem Zeitpunkt festschreiben. Im produzierenden Gewerbe stehen dabei deutlich mehr Möglichkeiten offen als in der Wohnwirtschaft.
Terminmarkt
Festpreis für die gesamte Menge
Menge und Preis werden für die volle Laufzeit festgeschrieben, bis zu sechs Jahre vor Lieferbeginn. Das Ergebnis ist ein Preis, mit dem sich kalkulieren lässt. Passend für Betriebe, die Planbarkeit über die Marktchance stellen, und für alles, was in einen Jahres- oder Haushaltsplan muss. Ausführlich beschrieben ist die strategische Nutzung des Terminmarkts.
Spotmarkt
Der jeweils aktuelle Börsenpreis
Abgerechnet wird zu dem Preis, den die Börse hergibt. Er schwankt monatlich. Damit haben Sie die volle Marktchance und tragen zugleich das volle Marktrisiko. Geeignet ist das für Abnehmer, die Preisbewegungen tragen können und im Betrieb genug Spielraum haben, um darauf zu reagieren. Wie sich der Preis am Spotmarkt im Energiehandel bildet, steht im Marktwissen.
Tranchen
Monatsbedarf in Paketen
Der Jahresbedarf wird in Monatsbedarfspakete zerlegt, die ein Jahr oder länger im Voraus einzeln eingekauft werden. Das streut das Risiko. Sie treffen nie nur den Höchststand, allerdings auch nie nur den Tiefpunkt. Sinnvoll ist das bei größeren Jahresmengen, die sich gut prognostizieren lassen. Wann sich die Aufteilung lohnt, steht im Beitrag zum Tranchenmodell.
Prozentuale Pakete
Teilmengen weit im Voraus sichern
Sie sichern heute zum Beispiel fünf Prozent des Jahresbedarfs für das übernächste Jahr, ordern einen weiteren Teil später und lassen den Rest am Spotmarkt laufen. Passend, wenn eine Preisphase günstig erscheint, der Bedarf aber noch nicht vollständig feststeht.
Mischformen
Ein Teil Termin, ein Teil Spot
Bei größeren Abnehmern ist die Kombination der Normalfall, mit einer gesicherten Grundmenge am Terminmarkt und dem beweglichen Rest am Spotmarkt. Das Verhältnis richtet sich danach, wie verlässlich der Bedarf planbar ist und wie viel Schwankung der Betrieb verträgt.
Auswahl
Wovon die Wahl abhängt
Ausschlaggebend ist der Verbrauchsverlauf. Wer in einzelnen Monaten deutlich mehr Energie braucht als in anderen, muss die Einkaufsstrategie diesem Verlauf anpassen. Die Datengrundlage dafür ist der Lastgang.
Vier Käufe zu vier Zeitpunkten statt eines Stichtags. Der Preisverlauf ist schematisch und zeigt keine Marktdaten.
Saisonalität
Wenn der Bedarf nicht gleichmäßig über das Jahr läuft
Als gedachtes Beispiel ein Betrieb, der einen Skilift betreibt. Von Oktober bis März fällt nahezu der gesamte Stromverbrauch an, von März bis Oktober kaum etwas. Eine gleichmäßig über zwölf Monate verteilte Jahresmenge bildet einen solchen Betrieb nicht ab.
Zu klären ist dann, welches Modell zu diesem Verlauf passt. Tranchen können den Monatsbedarf nachzeichnen, ein größerer Terminanteil kann die verbrauchsstarken Monate absichern, für die ruhige Zeit bleibt ein Spotanteil.
Die Einkaufsstrategie legen wir deshalb erst fest, wenn der Verlauf auf dem Tisch liegt, und wir tun das gemeinsam mit Ihnen.
Verbrauchsverlauf
Bausteine, die naheliegen
Gleichmäßig über das Jahr
Festpreis am Terminmarkt über die gesamte Menge
Ausgeprägte Saison
Tranchen nach Monatsbedarf, Terminanteil in der Hauptzeit
Schwankend und schwer planbar
Gesicherte Grundmenge am Terminmarkt, Rest am Spotmarkt
Bedarf steht früh fest
Prozentuale Pakete, Jahre vor Lieferbeginn gesichert
Lastgang
Was der Lastgang über den Bedarf verrät
Bei registrierender Leistungsmessung zeichnet ein Lastgangzähler den Verbrauch fortlaufend auf. Der Zählerstand wird in festen Intervallen von 15 Minuten an den Netzbetreiber übermittelt. Über ein Jahr entsteht daraus eine Tabelle mit rund 35.000 Messwerten.
Ab 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch im Strom ist die registrierende Messung der Regelfall. Kleinere Abnahmestellen laufen im Standardlastprofil und haben keinen Lastgang, den man auswerten könnte. Welche Messart gilt, legt der Netzbetreiber fest, nicht der Kunde.
Der Lastgang zeigt die Grundlast, die rund um die Uhr anliegt, die Spitzen, die die abgerufene Leistung bestimmen, und den Saisonverlauf über das Jahr. Daraus leiten wir das Beschaffungsmodell ab. Den Lastgang müssen Sie dafür nicht selbst zusammensuchen. Wir fragen ihn mit Ihrer Vollmacht beim Energieversorger an.
Tagesverbrauch über ein Jahr, aus der 15-Minuten-Messung verdichtet
Die beiden Abbildungen stammen aus einem realen Lastgang eines Industriekunden der Mineralstoffbranche, anonymisiert. Über das Jahr steigt der Tagesverbrauch vom Frühjahr bis in den Oktober an und fällt danach auf ein Winterniveau zurück. Ein über zwölf Monate gleich verteiltes Band bildet diesen Verlauf nicht ab.
Viertelstundenleistung einer Beispielwoche
In der Wochenansicht zeigt sich der eigentliche Befund. Unter der Woche liegt die Leistung fast durchgehend bei gut vier Kilowatt, dazwischen stehen einzelne Spitzen, die für eine Viertelstunde auf nahezu 100 Kilowatt gehen. Der Jahresverbrauch dieser Abnahmestelle liegt bei knapp 41.000 Kilowattstunden Strom und damit unterhalb der Schwelle von 100.000 Kilowattstunden. Registrierend gemessen wird sie trotzdem. Hier gibt die Leistungsspitze den Ausschlag, nicht die Menge.
Erkennen lässt sich das nur im Lastgang. Deshalb steht er bei Industrie- und Großkunden am Anfang der Analyse.
Messintervall
15 Minuten
So oft übermittelt der Lastgangzähler den Zählerstand.
Spitzenlast
98,2 kW
Höchste Viertelstundenleistung der Beispielwoche.
Grundlast
4,2 kW
Leistung, die rund um die Uhr anliegt.
Ablauf
Individuell im Modell, gleich in der Grundlage
Wie eingekauft wird, entscheidet der Einzelfall. Womit begonnen wird, ist bei jedem Großkunden dasselbe.
01Unterlagen und Vollmacht
Sie schicken uns die letzten Verbrauchsabrechnungen für Strom und Gas und erteilen uns eine Vollmacht. Die Lastgänge zu den einzelnen Zählern fragen wir damit beim Energieversorger an.
02Bedarf und Bestandsverträge
Wir werten Verbrauch und Lastgang je Abnahmestelle aus und prüfen die laufenden Verträge auf Preise, Laufzeiten, Kündigungsfristen und Vertragsmodell. Damit steht die Ist-Situation schriftlich fest.
03Einkaufsstrategie festlegen
Modell, Mengen und Zeitpunkt legen wir gemeinsam mit Ihnen fest, bevor etwas an den Markt geht. Grundlage sind Ihr Verbrauchsverlauf und die Frage, wie viel Preisschwankung Ihr Betrieb tragen soll.
04Ausschreibung
Der Bedarf geht mit einheitlicher Leistungsbeschreibung an regionale Energieversorger. Nur so sind die Angebote hinterher vergleichbar.
05Angebot entscheidungsfertig
Sie bekommen die Angebote gegenübergestellt, mit Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und Bedingungen nebeneinander, dazu unsere klare Empfehlung.
06Betreuung über die Laufzeit
Verbräuche ändern sich, Anlagen kommen dazu. Wir führen die Fristen weiter, prüfen die Abrechnungen und kaufen die kommenden Jahresmengen frühzeitig nach, statt kurz vor Vertragsende zu nehmen, was der Markt gerade hergibt.
Ihr nächster Schritt
Schicken Sie uns Ihre letzte Verbrauchsabrechnung für Strom und Gas
Liegt Ihnen ein Lastgang vor, schicken Sie ihn gleich mit. Wenn nicht, fragen wir ihn für Sie an. Aus diesen Unterlagen sehen wir, wie Ihr Bedarf verläuft, wie Ihr aktueller Vertrag aufgebaut ist und welche Beschaffungsmodelle für Sie überhaupt in Frage kommen.
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