Energiemarkt-Brief Ausgabe 2: Gas für 2027 in vier Wochen 16 Prozent teurer
Ausgabe 2 · 23. September 2026 · Segment Wohnwirtschaft · Aktuelle Ausgabe: Ausgabe 3 vom 6. Oktober 2026
Gas für 2027 in vier Wochen 16 Prozent teurer: Was jetzt zählt
Wo wir stehen
Seit unserer Ausgabe von Ende August sind die Energiepreise weiter gestiegen, und zwar schneller als in den Wochen davor. Der Grund liegt diesmal nicht in Europa, sondern am Golf: Der Ölpreis hat die Marke von 100 Dollar überschritten, der Gasmarkt ist mitgegangen. Am 14. September haben die Terminmärkte ihr bisheriges Hoch gesehen, seither geben die Preise etwas nach. Was das für Ihre Beschaffung bedeutet, steht im Folgenden.
Die Preise der letzten vier Wochen
| Lieferjahr | Strom | 4 Wochen | Gas | 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| 2027 | 127,62 €/MWh | +12,2 % | 58,34 €/MWh | +16,3 % |
| 2028 | 97,47 €/MWh | +6,4 % | 38,34 €/MWh | +12,9 % |
| 2029 | 87,33 €/MWh | +7,0 % | 30,61 €/MWh | +11,2 % |
EEX-Settlement, Stand 21.09.2026, Vergleich 24.08.2026
Das Muster aus der letzten Ausgabe hat sich verschärft. Das Frontjahr 2027 trägt den größten Teil des Anstiegs: Strom plus 12,2 Prozent, Gas plus 16,3 Prozent. Die Jahre 2028 und 2029 sind mitgestiegen, aber weniger stark. Wer am 28. August Gas für 2027 abgeschlossen hat, zahlt 50,30 Euro je Megawattstunde. Wer heute abschließt, zahlt 58,34.


Der Abstand zwischen 2027 und den Jahren dahinter ist weiter gewachsen. Strom für 2029 kostet heute 40,29 Euro je Megawattstunde weniger als Strom für 2027, vor vier Wochen waren es 31,97 Euro. Bei Gas wuchs der Abstand von 22,30 auf 27,73 Euro. Gas für 2029 kostet damit weniger als die Hälfte von Gas für 2027. Auch der Spotmarkt zieht an: Das Septembermittel liegt bis zum 21. September bei 136 Euro je Megawattstunde, nach 127 Euro im August und 105 Euro im Juli.
Der Blick auf das ganze Jahr. Im ersten Quartal 2026 kostete Strom für das Lieferjahr 2027 im Mittel 86,63 Euro je Megawattstunde und Gas 32,56 Euro. Im zweiten Quartal waren es 92,30 und 38,32 Euro. Heute sind es 127,62 und 58,34 Euro. Wer im ersten Halbjahr gekauft hat, zahlt für 2027 beim Strom rund 40 Prozent weniger als heute, beim Gas rund die Hälfte. Der beste Zeitpunkt für das Frontjahr liegt nach unserer Erfahrung im ersten, spätestens im zweiten Quartal des Vorjahres, im Idealfall kauft man zwei Jahre voraus. Wer für 2027 noch nichts hat, holt diesen Vorsprung nicht mehr ein. Er kann aber über mehrere Lieferjahre kaufen und das teure 2027 mit 2028 und 2029 mischen.

Warum die Preise steigen
Der Auslöser sitzt am Golf. Am 9. September stieg der Ölpreis erstmals seit Juli über 100 Dollar je Fass, nachdem das US-Militär iranische Tanker angegriffen hatte. Wenige Tage später fiel mit der Route über das Rote Meer auch die saudische Ausweichroute aus. Der Gasmarkt reagiert darauf, weil ein Teil des verflüssigten Erdgases dieselben Wege nimmt und weil Europa seine Speicher in diesem Jahr ohnehin spät füllt.
Am 20. September waren die deutschen Speicher zu 56,8 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag des Vorjahres waren es 76,4 Prozent, in den drei Jahren davor jeweils über 90 Prozent. Das Einspeichertempo hat sich seit August kaum verändert. Bei unverändertem Tempo wären zum 1. November rund 64 Prozent erreicht. Die Speicherbetreiber halten technisch bis zu 77 Prozent für möglich, sehen aber keinen wirtschaftlichen Anreiz, weil Gas für den Sommer zeitweise teurer war als Gas für den Winter. Die gesetzliche Vorgabe liegt bei 80 Prozent je Speicher, im Bundesdurchschnitt bei rund 70 Prozent.

Ausblick
Die Bundesnetzagentur, als Regulierungsbehörde für die Gasversorgung zuständig, hat am 12. September Entwarnung gegeben: Es sei bereits mehr Gas eingespeichert, als im gesamten letzten Winter entnommen wurde, und die Importwege über die LNG-Terminals seien ausgebaut. Neun Tage zuvor hatte dieselbe Behörde vorgerechnet, dass 50 Prozent Füllstand rund 123 Terawattstunden entsprechen, der Winterverbrauch aus den Speichern zuletzt aber bei 135 Terawattstunden lag. Wir nehmen die Entwarnung deshalb als das, was sie belegt: eine Aussage zur Versorgung, nicht zum Preis. Was nicht im Speicher liegt, wird in diesem Winter zum Weltmarktpreis gekauft, und der hängt an einem Konflikt, dessen Ausgang offen ist. Wer dann in der Grundversorgung steht oder ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, zahlt genau diesen Preis.
Seit dem 16. September fallen die Ölpreise wieder, weil auf ein Treffen der Präsidenten der USA und Irans gehofft wird. Das Gespräch hat noch nicht stattgefunden. Wir halten die Gegenbewegung deshalb für eine Atempause, nicht für eine Wende. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose.
Bei den Endkunden ist der Anstieg bislang nur zum Teil angekommen. Der Haushaltspreis für Gas liegt laut Verivox rund zwölf Prozent über dem Vorjahr, zum Jahreswechsel werden dort zehn bis zwanzig Prozent Aufschlag erwartet. Für die Heizkostenabrechnung heißt das: Die Nachzahlungen kommen, nur zeitversetzt.
Was wir empfehlen
Zwei Punkte, die sich aus den Zahlen oben begründen lassen.
Für 2027 zählt weiter Tempo. Vier Wochen Warten haben beim Gas 16 Prozent gekostet. Wer die Menge für 2027 noch nicht gesichert hat, sollte die aktuelle Atempause nutzen und nicht auf ihre Fortsetzung wetten. Für Hausverwaltungen bleibt der Vertrag über mehrere Lieferjahre die einfachere Lösung: Das teure 2027 wird mit den günstigeren Jahren 2028 und 2029 zu einem Mischpreis verrechnet, und dieser Abschlag ist heute größer als vor vier Wochen. Wie das für Ihre Objekte aussieht, klären wir im Einzelfall.
2028 und 2029 früh sichern. Beide Jahre haben ihre Höchststände erst am 18. September erreicht und geben seither kaum nach. Der Abstand zu 2027 ist groß, aber er ist kein Naturgesetz: Dauert der Konflikt an, wandert der Aufschlag in die späteren Jahre. Das ist unsere Einschätzung auf Basis der aktuellen Kurse.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Objekte gegenüber dem heutigen Marktniveau stehen, schauen wir uns Ihre Verträge gern an. Wir bündeln die Jahresmengen mehrerer Liegenschaften und holen Angebote bei regionalen Energieversorgern ein.
Wie wir dabei vorgehen: Energieeinkauf für Hausverwaltungen und Ablauf der Ausschreibung.
Verbrauchsabrechnung schicken und Angebot einholen
Eine kurze Rückmeldung genügt.
Peter Krämer · Inhaber
Telefon 0711 925 361 30
peter.kraemer@industria-consulting.de
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Quellen dieser Ausgabe
- EEX, Settlement-Preise Strom Base und Gas THE, Lieferjahre 2027 bis 2029, Stand 21.09.2026, eigene tägliche Erhebung; Jahresverlauf Januar bis Juni 2026 aus den Preislisten von ENGIE Deutschland: https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/2026_eex-the.pdf und https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/strom_eex-terminmarkt-handelstage-quartal_2026.pdf
- Gasspeicher Deutschland, Füllstände 2022 bis 2026: GIE AGSI+, https://agsi.gie.eu/
- Spotmarkt Strom Day-Ahead DE/LU: Bundesnetzagentur SMARD, https://www.smard.de/; Gas Day-Ahead THE: EEX über ENGIE Deutschland, https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/erdgas_eex-spotmarkt-handelstage_2026.pdf
- Initiative Energien Speichern, Gas-Szenarien September 2026 (08.09.2026): https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-historisch-niedrige-speicherstaende-zeitfenster-fuer-ausreichende-befuellung-schliesst-sich/
- tagesschau.de, Halbvolle Gasspeicher, wie groß ist das Risiko? (27.08.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gas-energie-100.html
- tagesschau.de, Droht die nächste Abhängigkeit beim Gas? (03.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gas-versorgung-lng-usa-pipelines-100.html
- tagesschau.de, Ölpreis steigt erstmals seit Juli über 100 Dollar (09.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktbericht-oel-brent-100.html
- tagesschau.de, Gasspeicher sind ausreichend gefüllt (12.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/gas-speicher-preise-102.html
- tagesschau.de, Saudi-Arabien unter Druck (13.09.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/saudi-arabien-huthi-oelpreis-100.html
- tagesschau.de, Was bei den Energiekosten droht (18.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/energiekosten-strom-oel-gas-100.html
- tagesschau.de, Entspannung am Ölmarkt stützt den DAX (21.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-geldanlage-158.html
- Kriegsbeginn 28.02.2026: Council on Foreign Relations, Global Conflict Tracker, https://www.cfr.org/global-conflict-tracker/conflict/confrontation-between-united-states-and-iran
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