Energiemarkt-Brief Ausgabe 3: Gas für 2028 in vier Wochen 11 Prozent teurer
Ausgabe 3 · 6. Oktober 2026 · Segment Hausverwaltung · Aktuelle Ausgabe: Ausgabe 4 vom 20. Oktober 2026
Gas für 2028 in vier Wochen 11 Prozent teurer: Die Folgejahre ziehen nach
Wo wir stehen
Seit unserer Ausgabe vom 23. September sind vor allem die späteren Lieferjahre teurer geworden. Gas für 2028 kostete am 2. Oktober 40,29 Euro je Megawattstunde, 11,0 Prozent mehr als vier Wochen zuvor und so viel wie nie seit Beginn unserer Erhebung Mitte Juli. Das erhoffte Treffen der Präsidenten der USA und Irans hat nicht stattgefunden, die Straße von Hormus bleibt weitgehend blockiert. Für uns heißt das: Der Markt rechnet nicht mehr nur für 2027 mit hohen Preisen.
Die Preise der letzten vier Wochen
| Lieferjahr | Strom | 4 Wochen | Gas | 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| 2027 | 130,92 €/MWh | +8,3 % | 60,62 €/MWh | +10,7 % |
| 2028 | 100,02 €/MWh | +5,4 % | 40,29 €/MWh | +11,0 % |
| 2029 | 87,93 €/MWh | +4,2 % | 31,97 €/MWh | +8,8 % |
EEX-Settlement, Stand 02.10.2026, Vergleich 04.09.2026
Für das Frontjahr 2027 ergibt der Vergleich über vier Wochen beim Strom plus 8,3 Prozent und beim Gas plus 10,7 Prozent. Seit unserer letzten Ausgabe kamen nur 2,6 Prozent beim Strom und 3,9 Prozent beim Gas hinzu, und beide Preise liegen noch unter ihrem Hoch vom 14. September.


Bei den späteren Lieferjahren verläuft die Entwicklung anders. Gas für 2028 ist in vier Wochen um 11,0 Prozent gestiegen und damit erstmals stärker als das Frontjahr. Strom für 2028 kostet mit 100,02 Euro zum ersten Mal in unserer Erhebung mehr als 100 Euro je Megawattstunde. Strom und Gas für 2028 und 2029 standen am 2. Oktober auf ihrem höchsten Wert seit Mitte Juli. Der Abstand zu 2027 bleibt trotzdem groß: Strom für 2029 kostet 42,99 Euro je Megawattstunde weniger als Strom für 2027, und Gas für 2029 kostet weiterhin rund die Hälfte von Gas für 2027.
Der Blick auf das ganze Jahr. Mit dem September ist das dritte Quartal abgeschlossen. Strom für das Lieferjahr 2027 kostete darin im Mittel 112,40 Euro je Megawattstunde, Gas 48,80 Euro. Im ersten Quartal waren es 86,63 und 32,56 Euro, im zweiten 92,30 und 38,32 Euro. Das vierte Quartal beginnt mit 130,92 und 60,62 Euro noch einmal deutlich darüber. Wer Gas für 2027 heute kauft, zahlt 86 Prozent mehr als im Mittel des ersten Quartals. Der beste Zeitpunkt für das Frontjahr liegt nach unserer Erfahrung im ersten, spätestens im zweiten Quartal des Vorjahres.

Warum die Preise steigen
Am Golf ist keine Lösung in Sicht. Einen iranischen Plan zur Öffnung der Straße von Hormus lehnte US-Präsident Trump am 26. September ab. Der Ölpreis der Sorte Brent pendelt seither um 100 Dollar je Fass, am Morgen des 5. Oktober waren es 101,68 Dollar. Von der Opec+ ist vorerst keine Entlastung zu erwarten: Die Förderländer heben ihre Förderziele auch im November nicht an.
Am 3. Oktober waren die deutschen Gasspeicher zu 58,7 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag des Vorjahres waren es 76,2 Prozent, in den drei Jahren davor jeweils mehr als 92 Prozent. Das Einspeichertempo ist seit unserer letzten Ausgabe gesunken, von 0,17 auf 0,15 Prozentpunkte am Tag. Bei diesem Tempo wären zum 1. November rund 63 Prozent erreicht. Nach der Gasspeicherfüllstandsverordnung sollen fast alle Speicher Anfang November zu 80 Prozent gefüllt sein.

Ausblick
Die Bundesnetzagentur, als Regulierungsbehörde für die Gasversorgung zuständig, schätzt die Gefahr einer angespannten Versorgung weiterhin als gering ein. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar, und das Füllziel zum 1. November müsse für eine sichere Versorgung nicht zwingend erreicht werden. In derselben Lagebewertung vom 2. Oktober heißt es, ein vergleichsweise niedriger Speicherstand am Ende des Winters sei wahrscheinlich. Das Wirtschaftsministerium hat zudem das bundeseigene Unternehmen Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas einzuspeichern. Nach unserer Rechnung sind das gut drei Prozentpunkte Füllstand. Wir lesen beides als Aussage zur Versorgung, nicht zum Preis. Was im Winter fehlt, wird zum Weltmarktpreis gekauft. Wer dann in der Grundversorgung steht oder ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, zahlt genau diesen Preis.
Bei den Endkunden kommt der Anstieg an. Energie war im September laut Statistischem Bundesamt 14,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, und Verivox erwartet beim Gas zum Jahreswechsel Erhöhungen von bis zu 20 Prozent. Für die Heizkostenabrechnung 2026 rechnet der Heizspiegel beim Gas noch mit leicht sinkenden Kosten, die höheren Einkaufspreise kämen Ende 2026 oder im Lauf des Jahres 2027 an.
Eine Einigung am Golf erwarten wir vor den Kongresswahlen in den USA Anfang November nicht. Präsident Trump selbst hält ein Abkommen erst danach für möglich. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose.
Was wir empfehlen
Zwei Punkte, die sich aus den Zahlen oben begründen lassen.
Für 2027 zählt weiter Tempo. Vier Wochen Warten haben beim Gas für 2027 10,7 Prozent gekostet. Die Pause nach dem Hoch vom 14. September hat den Preis nur kurz gedrückt, seit dem 29. September steigt er wieder. Für Hausverwaltungen bleibt der Vertrag über mehrere Lieferjahre die einfachere Lösung: Das teure 2027 wird mit 2028 und 2029 zu einem Mischpreis verrechnet, und der Abschlag der späteren Jahre ist weiterhin groß.
2028 und 2029 jetzt sichern. In unserer letzten Ausgabe stand: Dauert der Konflikt an, wandert der Aufschlag in die späteren Jahre. Seit Ende September ist das in den Kursen zu sehen. Im Idealfall kauft man zwei Jahre voraus, für 2028 also in diesen Monaten. Welche Laufzeit zu Ihren Objekten passt, klären wir im Einzelfall.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Objekte gegenüber dem heutigen Marktniveau stehen, schauen wir uns Ihre Verträge gern an. Wir bündeln die Jahresmengen mehrerer Liegenschaften und holen Angebote bei regionalen Energieversorgern ein.
Wie wir dabei vorgehen: Energieeinkauf für Hausverwaltungen und Ablauf der Ausschreibung.
Verbrauchsabrechnung schicken und Angebot einholen
Eine kurze Rückmeldung genügt.
Peter Krämer · Inhaber
Telefon 0711 925 361 30
peter.kraemer@industria-consulting.de
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Quellen dieser Ausgabe
- EEX, Settlement-Preise Strom Base und Gas THE, Lieferjahre 2027 bis 2029, Stand 02.10.2026, eigene tägliche Erhebung; Jahresverlauf Januar bis Juni 2026 aus den Preislisten von ENGIE Deutschland: https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/2026_eex-the.pdf und https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/strom_eex-terminmarkt-handelstage-quartal_2026.pdf
- Gasspeicher Deutschland, Füllstände 2022 bis 2026: GIE AGSI+, https://agsi.gie.eu/
- Spotmarkt Strom Day-Ahead DE/LU: Bundesnetzagentur SMARD, https://www.smard.de/ ; Gas Day-Ahead THE: EEX über ENGIE Deutschland, https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/erdgas_eex-spotmarkt-handelstage_2026.pdf
- Bundesnetzagentur, Aktuelle Lage Gasversorgung, Lagebewertung vom 02.10.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html
- tagesschau.de, Die Märkte hoffen auf Frieden (22.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-geldanlage-160.html
- tagesschau.de, Iran wehrt sich vor UN gegen Trump-Drohungen (23.09.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/peseschkian-rede-un-100.html
- tagesschau.de, Trump lehnt Irans Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus ab (26.09.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-krieg-hormus-trump-lehnt-vorschlag-ab-100.html
- tagesschau.de, Reiche weist staatliches Unternehmen an, mehr Gas einzuspeichern (30.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gasspeicher-reiche-winter-100.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 05.10.2026 (Ölpreis, Opec+): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-jones-boerse-166.html
- SWR Aktuell, Gasspeicher ungewöhnlich leer (Gasspeicherfüllstandsverordnung): https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/trotz-energiewende-zu-leere-gasspeicher-vor-winter-100.html
- Statistisches Bundesamt, Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 % (30.09.2026): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_348_611.html
- web.de, Verivox-Chef erwartet deutlich steigende Strom- und Gaspreise (02.10.2026): https://web.de/magazine/ratgeber/finanzen-verbraucher/verivox-chef-erwartet-deutlich-steigende-strom-gaspreise-42792324
- tagesschau.de, Heizkosten steigen 2026 laut Prognose an (Heizspiegel 2026 von co2online, 22.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/prognose-heizkosten-2026-100.html
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