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Energiemarkt-Brief Ausgabe 4, 20. Oktober 2026, Industria Consulting

Energiemarkt-Brief Ausgabe 4: Gas für 2027 in vier Wochen ein Viertel teurer

20. Oktober 2026/in Energiemarkt-Brief/von claudia

Ausgabe 4 · 20. Oktober 2026 · Segment Hausverwaltung

Gas für 2027 in vier Wochen ein Viertel teurer: Alle Lieferjahre so hoch wie nie seit Juli

In Kürze für Sie im Überblick

  1. Wo wir stehen: Seit dem 6. Oktober ist Gas für 2027 an jedem Handelstag teurer geworden, Strom und Gas stehen in allen drei Lieferjahren so hoch wie nie seit Juli.
  2. Die Preise der letzten vier Wochen: In vier Wochen bis zum 19. Oktober stieg Gas für 2027 um 25,6 Prozent und Strom um 14,8 Prozent.
  3. Warum die Preise steigen: Die Sperrung der Straße von Hormus verknappt das Angebot an Öl und Gas, und die deutschen Gasspeicher waren am 18. Oktober zu 61,1 Prozent gefüllt, vor einem Jahr zu 75,4 Prozent.
  4. Ausblick: Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Versorgung als gering ein, einen niedrigen Speicherstand am Ende des Winters als wahrscheinlich. Wer ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, kauft zum Weltmarktpreis.
  5. Was wir empfehlen: Für 2027 zählt weiter Tempo, am einfachsten mit einem Vertrag über mehrere Lieferjahre zum Mischpreis. 2028 und 2029 sichern Sie am besten jetzt.

Wo wir stehen

Seit unserer Ausgabe vom 6. Oktober ist Gas für das Lieferjahr 2027 an jedem Handelstag teurer geworden. Am 19. Oktober kostete es 73,28 Euro je Megawattstunde, 25,6 Prozent mehr als vier Wochen zuvor. Strom und Gas stehen in allen drei Lieferjahren so hoch wie nie seit Beginn unserer Erhebung im Juli. Am Persischen Golf haben die Angriffe auf Schiffe in den vergangenen Tagen zugenommen.

Die Preise der letzten vier Wochen

Lieferjahr Strom 4 Wochen Gas 4 Wochen
2027 146,45 €/MWh +14,8 % 73,28 €/MWh +25,6 %
2028 110,28 €/MWh +13,1 % 47,01 €/MWh +22,6 %
2029 94,42 €/MWh +8,1 % 35,07 €/MWh +14,6 %

EEX-Settlement, Stand 19.10.2026, Vergleich 21.09.2026

Strom für das Frontjahr 2027 kostet 146,45 Euro je Megawattstunde, 14,8 Prozent mehr als vor vier Wochen. Allein seit unserer letzten Ausgabe kamen beim Strom 11,9 Prozent und beim Gas 20,9 Prozent hinzu. Das Hoch vom 14. September haben beide Preise hinter sich gelassen, Gas am 6. Oktober, Strom am 8. Oktober.

Strom Base, Settlement der EEX, Lieferjahre 2027, 2028 und 2029 · Stand 19.10.2026
Strom Base, Settlement der EEX, Lieferjahre 2027, 2028 und 2029 · Stand 19.10.2026
Gas THE, Settlement der EEX, Lieferjahre 2027, 2028 und 2029 · Stand 19.10.2026
Gas THE, Settlement der EEX, Lieferjahre 2027, 2028 und 2029 · Stand 19.10.2026

Die späteren Lieferjahre ziehen mit, aber langsamer. Gas für 2028 ist in vier Wochen um 22,6 Prozent gestiegen, Gas für 2029 um 14,6 Prozent. Der Abstand zum Frontjahr ist dadurch gewachsen: Gas für 2027 kostet jetzt das 2,09-Fache von Gas für 2029, vor vier Wochen war es das 1,91-Fache. In Euro sind es 38,20 je Megawattstunde, so viel wie nie in unserer Erhebung. Beim Strom liegen 52,03 Euro zwischen 2027 und 2029.

Der Blick auf das ganze Jahr. Im ersten Quartal kostete Gas für 2027 im Mittel 32,56 Euro je Megawattstunde, im dritten Quartal 48,80 Euro. Im Oktober liegt das Mittel bisher bei 66,60 Euro. Wer Gas für 2027 heute kauft, zahlt das 2,25-Fache des ersten Quartals, beim Strom sind es 69 Prozent mehr. Der beste Zeitpunkt für das Frontjahr liegt nach unserer Erfahrung im ersten, spätestens im zweiten Quartal des Vorjahres.

Monatsmittel Januar bis Oktober 2026, Oktober bis 19.10.: Lieferjahr 2027 (EEX-Settlement, Strom Base und Gas THE) und Spotmarkt (Strom Day-Ahead, Gas THE Day-Ahead) · Stand 19.10.2026
Monatsmittel Januar bis Oktober 2026, Oktober bis 19.10.: Lieferjahr 2027 (EEX-Settlement, Strom Base und Gas THE) und Spotmarkt (Strom Day-Ahead, Gas THE Day-Ahead) · Stand 19.10.2026

Warum die Preise steigen

Neben den Angriffen in der Straße von Hormus meldete die britische Seesicherheitsbehörde am 17. Oktober auch Angriffe auf Tanker vor der Küste Saudi-Arabiens. Die Huthi-Miliz aus dem Jemen beschoss Ziele in Saudi-Arabien, nach eigenen Angaben auch eine Gasanlage und eine Raffinerie. Laut dem Datendienst Kpler fielen die Ölausfuhren aus der Meerenge in der vergangenen Woche auf 8,5 Millionen Barrel am Tag, nach mehr als 20 Millionen in der Woche davor. Brent stieg am 20. Oktober auf über 111 Dollar je Fass, den höchsten Stand seit fünf Monaten. Das betrifft auch Gas. Vor dem Krieg lief etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas durch die Meerenge, die Sperrung verknappt das Angebot auf beiden Märkten.

Am 18. Oktober waren die deutschen Gasspeicher zu 61,1 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag des Vorjahres waren es 75,4 Prozent, in den drei Jahren davor jeweils mehr als 96 Prozent. Seit unserer letzten Ausgabe kamen im Mittel 0,16 Prozentpunkte am Tag hinzu. Bei diesem Tempo wären zum 1. November rund 63 Prozent erreicht.

Füllstand aller deutschen Gasspeicher, Gastag, Jahresverläufe übereinander · Quelle GIE AGSI+ · Stand 18.10.2026
Füllstand aller deutschen Gasspeicher, Gastag, Jahresverläufe übereinander · Quelle GIE AGSI+ · Stand 18.10.2026

Ausblick

Die Bundesnetzagentur, als Regulierungsbehörde für die Gasversorgung zuständig, schätzt die Gefahr einer angespannten Versorgung in ihrer Lagebewertung vom 20. Oktober weiterhin als gering ein. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar, das Füllziel zum 1. November müsse nicht zwingend erreicht werden. Ihr Präsident Klaus Müller sagte dem WDR: „Wir werden die Füllstandvorgaben zum ersten November absehbar nicht erreichen.“ In derselben Lagebewertung heißt es, ein vergleichsweise niedriger Speicherstand am Ende des Winters sei wahrscheinlich, und die Preise der Weltmärkte wirkten auch auf die europäischen Großhandelspreise. Wir lesen das als Aussage zur Versorgung, nicht zum Preis. Was im Winter fehlt, wird zum Weltmarktpreis gekauft. Wer dann in der Grundversorgung steht oder ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, zahlt genau diesen Preis.

Bei den Endkunden kommt der Anstieg an. Das Vergleichsportal Verivox rechnet beim Gas wegen der gestiegenen Großhandelspreise mit höheren Preisen, zudem steigen die Gasnetzentgelte 2027 im Bundesschnitt um rund drei Prozent.

Die Märkte hoffen noch auf eine Annäherung zwischen den USA und Iran vor den Kongresswahlen am 3. November. Für die Zeit danach sehen Marktteilnehmer eine wachsende Gefahr neuer Militärschläge. Iran hat am 18. Oktober sein Angebot zur Öffnung der Meerenge erneuert und wieder ein Ende der US-Blockade und der Ölsanktionen verlangt. Eine glaubwürdige Annäherung würde die Ölpreise deutlich drücken. Nach fast acht Monaten Krieg rechnen wir vor dem Winter nicht damit. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose.

Was wir empfehlen

Zwei Punkte, die sich aus den Zahlen oben begründen lassen.

Für 2027 zählt weiter Tempo. Vier Wochen Warten haben beim Gas für 2027 25,6 Prozent gekostet, beim Strom 14,8 Prozent. Bis zum Lieferbeginn bleiben gut zwei Monate. Für Hausverwaltungen bleibt der Vertrag über mehrere Lieferjahre die einfachere Lösung: Das teure 2027 wird mit 2028 und 2029 zu einem Mischpreis verrechnet. Weil der Abstand zu 2029 gewachsen ist, gleicht der Mischpreis heute mehr aus als vor vier Wochen.

2028 und 2029 jetzt sichern. Gas für 2028 ist in vier Wochen fast so stark gestiegen wie das Frontjahr. Im Idealfall kauft man zwei Jahre voraus, für 2028 also in diesen Monaten. Welche Laufzeit zu Ihren Objekten passt, klären wir im Einzelfall.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Objekte gegenüber dem heutigen Marktniveau stehen, schauen wir uns Ihre Verträge gern an. Wir bündeln die Jahresmengen mehrerer Liegenschaften und holen Angebote bei Energieversorgern ein.

Wie wir dabei vorgehen: Energieeinkauf für Hausverwaltungen und Ablauf der Ausschreibung.

Verbrauchsabrechnung schicken und Angebot einholen

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Peter Krämer · Inhaber
Telefon 0711 925 361 30
peter.kraemer@industria-consulting.de

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Quellen dieser Ausgabe

  1. EEX, Settlement-Preise Strom Base und Gas THE, Lieferjahre 2027 bis 2029, Stand 19.10.2026, eigene tägliche Erhebung; Jahresverlauf Januar bis Juni 2026 aus den Preislisten von ENGIE Deutschland: https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/2026_eex-the.pdf und https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/strom_eex-terminmarkt-handelstage-quartal_2026.pdf
  2. Gasspeicher Deutschland, Füllstände 2022 bis 2026: GIE AGSI+, https://agsi.gie.eu/
  3. Spotmarkt Strom Day-Ahead DE/LU: Bundesnetzagentur SMARD, https://www.smard.de/ ; Gas Day-Ahead THE: EEX über ENGIE Deutschland (Januar bis September), https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/erdgas_eex-spotmarkt-handelstage_2026.pdf , und Bundesnetzagentur (Oktober), https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gaspreise/Gaspreise.html
  4. Bundesnetzagentur, Aktuelle Lage Gasversorgung, Lagebewertung vom 20.10.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html
  5. WDR, Gasspeicher zu leer? Warum sich ein Gaspreis-Vergleich jetzt lohnt (11.10.2026): https://www1.wdr.de/wirtschaft/gas-preis-vergleich-speicher-100.html
  6. tagesschau.de, Marktbericht: Ölpreis springt auf Fünf-Monats-Hoch (20.10.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktbericht-oelpreis-100.html
  7. tagesschau.de, Tanker im Persischen Golf attackiert (17.10.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/persischer-golf-tanker-angriffe-100.html
  8. tagesschau.de, Huthi-Miliz greift erneut Flughäfen in Saudi-Arabien an (12.10.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/saudi-arabien-huthis-flughafen-100.html
  9. tagesschau.de, Marktbericht vom 08.10.2026 (Öl- und Gasmärkte, Straße von Hormus): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-boerse-dax-oel-100.html
  10. tagesschau.de, Iran unterbreitet den USA ein Angebot und droht zugleich (18.10.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-hormus-angebot-drohung-100.html
  11. rbb24, Gaskunden müssen mit höheren Netzentgelten rechnen (17.10.2026, nach Berechnungen von Verivox): https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/10/haushalte-gas-netzentgelte-gebuehren-netzgebuehren-berlin-brandenburgde.html

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