Energiemarkt-Brief Ausgabe 5: Gas für 2027 in vier Wochen 26,6 Prozent teurer
Ausgabe 5 · 4. November 2026 · Segment Hausverwaltung
Gas für 2027 in vier Wochen 26,6 Prozent teurer: Speicher verfehlen die Vorgabe zum 1. November
In Kürze für Sie im Überblick
- Wo wir stehen: Strom und Gas für 2027 stiegen bis zum 30. Oktober auf den höchsten Stand seit Juli und gaben am 2. November etwas nach. Das Niveau bleibt deutlich über dem Vormonat.
- Die Preise der letzten vier Wochen: In vier Wochen bis zum 2. November stieg Gas für 2027 um 26,6 Prozent und Strom um 18,9 Prozent.
- Warum die Preise steigen: Sorgen vor Engpässen bei Flüssigerdgas trieben den europäischen Gaspreis am 28. Oktober über 100 Euro, und die deutschen Gasspeicher waren am 1. November statt der vorgegebenen 70 nur zu 61,0 Prozent gefüllt.
- Ausblick: Analysten erwarten laut tagesschau, dass Gas mindestens ein weiteres Jahr teuer bleibt, auch wenn der Krieg endet und der Winter mild ausfällt. Wer ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, kauft zum Weltmarktpreis.
- Was wir empfehlen: Verträge, die zum Jahresende auslaufen, jetzt über mehrere Lieferjahre verlängern: Der Mischpreis gleicht das teure 2027 mit 2028 und 2029 aus, Versorgung und Preis für Ihre Objekte sind dann geregelt.
Wo wir stehen
Seit unserer Ausgabe vom 20. Oktober sind Strom und Gas für das Lieferjahr 2027 zunächst weiter gestiegen. Am 30. Oktober kostete Strom für 2027 164,27 Euro je Megawattstunde und Gas 82,97 Euro, beides so viel wie nie seit Beginn unserer Erhebung im Juli. Am 2. November gaben beide etwas nach und stehen wieder etwa auf dem Stand vom 23. Oktober, deutlich über dem Vormonat. Die Ölpreise fielen am selben Tag um mehr als vier Prozent, laut tagesschau vor allem wegen Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen den USA und Iran.
Die Preise der letzten vier Wochen
| Lieferjahr | Strom | 4 Wochen | Gas | 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| 2027 | 154,54 €/MWh | +18,9 % | 76,89 €/MWh | +26,6 % |
| 2028 | 112,62 €/MWh | +12,5 % | 48,45 €/MWh | +18,2 % |
| 2029 | 97,55 €/MWh | +11,1 % | 35,44 €/MWh | +8,3 % |
EEX-Settlement, Stand 02.11.2026, Vergleich 05.10.2026
Strom für das Frontjahr 2027 kostet 154,54 Euro je Megawattstunde, 18,9 Prozent mehr als vor vier Wochen. Gas für 2027 kostet 76,89 Euro, 26,6 Prozent mehr. Seit unserer letzten Ausgabe kamen beim Strom 5,5 Prozent und beim Gas 4,9 Prozent hinzu.


Die späteren Lieferjahre ziehen mit, aber langsamer. Gas für 2028 ist in vier Wochen um 18,2 Prozent gestiegen, Gas für 2029 um 8,3 Prozent. Damit kostet Gas für 2027 das 2,17-Fache von Gas für 2029, vor vier Wochen war es das 1,86-Fache. In Euro liegen 41,45 je Megawattstunde zwischen den beiden Lieferjahren, beim Strom sind es 56,99 Euro.
Der Blick auf das ganze Jahr. Im ersten Quartal kostete Gas für 2027 im Mittel 32,56 Euro je Megawattstunde, im Oktober 71,16 Euro, mehr als doppelt so viel. Wer Gas für 2027 heute kauft, zahlt das 2,36-Fache des ersten Quartals, beim Strom sind es 78 Prozent mehr. Der beste Zeitpunkt für das Frontjahr liegt nach unserer Erfahrung im ersten, spätestens im zweiten Quartal des Vorjahres.

Warum die Preise steigen
Am 28. Oktober stieg der europäische Gaspreis erstmals seit Dezember 2022 über 100 Euro je Megawattstunde. Als Grund nennt tagesschau Sorgen vor Engpässen bei Flüssigerdgas, weil die Schifffahrt im Nahen Osten gestört ist. Seit Beginn des Kriegs gegen Iran hat sich dieser Preis verdreifacht. Beim Öl kamen neue Angriffe hinzu: Die Huthi-Miliz griff erneut Ziele in Saudi-Arabien an, Brent stieg am 22. Oktober auf gut 112 Dollar je Fass. Am 30. Oktober erreichten die Ölpreise angesichts wachsender Sorgen über einen neuen Militärschlag der USA gegen Iran den höchsten Stand seit April.
Am 1. November waren die deutschen Gasspeicher zu 61,0 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag des Vorjahres waren es 75,1 Prozent, in den drei Jahren davor jeweils mehr als 98 Prozent. Gesetzlich vorgegeben waren zum 1. November laut tagesschau im Mittel 70 Prozent. Seit dem 27. Oktober sinkt der Füllstand, die Speicher geben bereits Gas ab. In unserer letzten Ausgabe hatten wir für den 1. November rund 63 Prozent fortgeschrieben.

Ausblick
Die Bundesnetzagentur, als Regulierungsbehörde für die Gasversorgung zuständig, schätzt die Gefahr einer angespannten Versorgung in ihrer Lagebewertung vom 3. November weiterhin als gering ein. Abnehmende Füllstände seien kein Indiz für eine Mangellage, auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar. In derselben Lagebewertung heißt es, ein vergleichsweise niedriger Speicherstand am Ende des Winters sei wahrscheinlich. Ob und wie stark die Weltmarktpreise bei den Kunden ankommen, hänge von der Dauer des Konflikts, der Beschaffungsstrategie der Lieferanten und den vertraglichen Regelungen ab. Wir lesen das als Aussage zur Versorgung, nicht zum Preis. Wer in der Grundversorgung steht oder ohne Vertrag ins Jahr 2027 geht, kauft zum Weltmarktpreis.
Analysten erwarten laut tagesschau, dass die Gaspreise mindestens ein weiteres Jahr hoch bleiben, selbst wenn der Krieg endet und der Winter mild ausfällt. Als Grund nennen sie die auf Rekordtiefstände gesunkenen Speicher, die wieder aufgefüllt werden müssen. Bei den Haushalten kommt der Anstieg an: In Baden-Württemberg ist Gas laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox in zwölf Monaten im Schnitt um 22 Prozent teurer geworden.
Der Rücksetzer vom 2. November ändert an dieser Lage wenig. Am 3. November meldeten mehrere US-Medien Angriffe der USA auf iranische Ziele in der Straße von Hormus, die Angriffe schienen begrenzt. Präsident Trump hatte jüngst gesagt, eine Einigung mit Iran könne zustande kommen. Nach mehr als acht Monaten Krieg rechnen wir vor dem Winter nicht mit einer dauerhaften Entspannung. Das ist unsere Einschätzung, keine Prognose.
Was wir empfehlen
Zwei Punkte, die sich aus den Zahlen oben begründen lassen. Vorher ein Blick auf Verträge, die zum 31. Dezember 2026 auslaufen: Sie wurden nach unserer Erfahrung meist 2023 oder 2024 für zwei oder drei Lieferjahre geschlossen. Damals kostete Strom an der Börse im Mittel rund 87 Euro je Megawattstunde, Gas rund 38 Euro. Der Terminmarkt liegt heute für 2027 bei 155 und 77 Euro, für 2029 bei 98 und 35 Euro. Die Verlängerung wird also für 2027 zunächst teurer, ab 2028 nach heutigem Stand wieder günstiger. Wer jetzt abschließt, hat Versorgung und Preis für seine Objekte geregelt, bevor das Lieferjahr beginnt.

Auslaufende Verträge jetzt verlängern. Auch nach dem Rücksetzer vom 2. November kostet Gas für 2027 26,6 Prozent mehr als vor vier Wochen, Strom 18,9 Prozent. Wie schnell es wieder nach oben gehen kann, zeigt der Oktober: Vom 19. bis zum 30. Oktober stieg Gas für 2027 um 13,2 Prozent. Der Lieferbeginn liegt knapp zwei Monate entfernt. Für Hausverwaltungen ist der Vertrag über mehrere Lieferjahre die einfachere Lösung: Das teure 2027 wird mit 2028 und 2029 zu einem Mischpreis verrechnet. Gas für 2029 kostet weniger als die Hälfte von Gas für 2027, entsprechend viel gleicht der Mischpreis aus.
2028 und 2029 jetzt sichern. Gas für 2028 ist in vier Wochen um 18,2 Prozent gestiegen, Strom für 2028 um 12,5 Prozent. Im Idealfall kauft man zwei Jahre voraus, für 2028 also in diesen Monaten. Welche Laufzeit zu Ihren Objekten passt, klären wir im Einzelfall.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Objekte gegenüber dem heutigen Marktniveau stehen, schauen wir uns Ihre Verträge gern an. Wir bündeln die Jahresmengen mehrerer Liegenschaften und holen Angebote bei Energieversorgern ein.
Wie wir dabei vorgehen: Energieeinkauf für Hausverwaltungen und Ablauf der Ausschreibung.
Verbrauchsabrechnung schicken und Angebot einholen
Eine kurze Rückmeldung genügt.
Peter Krämer · Inhaber
Telefon 0711 925 361 30
peter.kraemer@industria-consulting.de
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Quellen dieser Ausgabe
- EEX, Settlement-Preise Strom Base und Gas THE, Lieferjahre 2027 bis 2029, Stand 02.11.2026, eigene tägliche Erhebung; Jahresverlauf Januar bis Juni 2026 aus den Preislisten von ENGIE Deutschland: https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/2026_eex-the.pdf und https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/strom_eex-terminmarkt-handelstage-quartal_2026.pdf
- Gasspeicher Deutschland, Füllstände 2022 bis 2026: GIE AGSI+, https://agsi.gie.eu/
- Spotmarkt Strom Day-Ahead DE/LU: Bundesnetzagentur SMARD, https://www.smard.de/ ; Gas Day-Ahead THE: EEX über ENGIE Deutschland (Januar bis September), https://www.engie-deutschland.de/sites/engie-deutschland/files/2026-01/erdgas_eex-spotmarkt-handelstage_2026.pdf , und Bundesnetzagentur (Oktober), https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gaspreise/Gaspreise.html
- Bundesnetzagentur, Aktuelle Lage Gasversorgung, Lagebewertung vom 03.11.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html
- tagesschau.de, Füllstandsvorgaben bei Gasspeichern nicht erreicht (01.11.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gasspeicher-vorgaben-ziel-verfehlt-100.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 02.11.2026 (Ölpreise, Iran): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-geldanlage-168.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 28.10.2026 (Gaspreis über 100 Euro): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-nasdaq-100.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 22.10.2026 (Ölpreis, Huthi-Angriffe): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-tesla-meta-sap-100.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 30.10.2026 (Ölpreis auf höchstem Stand seit April): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-jones-geldanlage-amazon-100.html
- tagesschau.de, USA greifen offenbar iranische Ziele in Straße von Hormus an (03.11.2026): https://www.tagesschau.de/ausland/asien/usa-iran-angriffe-126.html
- tagesschau.de, Marktbericht vom 03.11.2026 (US-Zwischenwahlen, Iran): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-dax-dow-apple-midterms-100.html
- SWR Aktuell, So teuer ist Heizen mit Gas in Baden-Württemberg (26.10.2026, nach einer Analyse von Verivox): https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/500-euro-mehr-im-jahr-so-teuer-ist-heizen-in-bw-100.html
- Börsenstrompreis Day-Ahead DE-LU, Monatsmittel seit 2021: energy-charts.info (Fraunhofer ISE, Daten Bundesnetzagentur/SMARD, CC BY 4.0), https://energy-charts.info/
- Erdgaspreis Europa (IMF Primary Commodity Prices) und EUR/USD-Monatskurs über FRED: https://fred.stlouisfed.org/series/PNGASEUUSDM und https://fred.stlouisfed.org/series/EXUSEU
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