Die European Energy Exchange (EEX): wo die Strom- und Gaspreise entstehen
Aktualisiert im August 2026: Gründungsgeschichte korrigiert, Produktpalette und Terminmarktstände auf den aktuellen Stand gebracht.
In Leipzig sitzt die European Energy Exchange (EEX), die führende Energiebörse Europas. Dort werden Energie und Energieprodukte gehandelt, und dort entstehen die Preise, auf die sich der europäische Energiemarkt bezieht. Dieser Beitrag beschreibt, was an der EEX gehandelt wird und was davon für Abnehmer zählt.
Was ist die EEX?
Die EEX in ihrer heutigen Form entstand 2002 aus der Fusion der beiden deutschen Strombörsen: der 2000 gegründeten Leipzig Power Exchange und der European Energy Exchange in Frankfurt. Seitdem ist sie zu einer der bedeutendsten Energiebörsen Europas geworden. Gehandelt werden Strom, Gas, Emissionsrechte und weitere Energieträger, und die Produktpalette ist über die Jahre breiter geworden.
Die Funktionsweise der EEX
An der EEX kaufen und verkaufen Marktteilnehmer Energieprodukte in mehreren Segmenten:
Spotmarkt
Hier werden Energieprodukte für kurzfristige Lieferungen gehandelt. Daraus ergibt sich der Preis, zu dem der aktuelle Bedarf gedeckt wird. Den kurzfristigen Stromhandel für Deutschland wickelt dabei nicht die EEX selbst ab, sondern die EPEX SPOT — eine Tochter der EEX-Gruppe, entstanden 2008/2009 aus der Zusammenlegung der Spotgeschäfte von EEX und Powernext.
Terminmarkt
Auf dem Terminmarkt werden Lieferungen für kommende Monate, Quartale und Jahre gehandelt. Wer dort kauft, sichert sich gegen Preisschwankungen ab und kann langfristig planen. Der meistbeachtete Kontrakt ist das Frontjahr — also das nächste volle Lieferjahr. Es notierte am 17. August 2026 im Settlement bei 106,66 €/MWh für Strom und bei 45,63 €/MWh für Gas am Handelspunkt THE.
Emissionsrechte
Die EEX ist ein wichtiger Handelsplatz für CO2-Zertifikate — im ersten Halbjahr 2026 wechselten über die Plattformen der Gruppe 508,9 Millionen Tonnen CO2 den Besitzer. Der Handel mit Emissionsrechten ist Teil der europäischen Klimaschutzpolitik. Für Gebäude und Verkehr gilt in Deutschland daneben ein eigener, nationaler Preispfad: Das Kabinett hat am 12. August 2026 festgeschrieben, dass der Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne auch 2027 gilt; der europäische Emissionshandel ETS 2 startet erst 2028.
Energieträger
Neben Strom und Gas handelt die EEX-Gruppe Emissionsberechtigungen, Herkunftsnachweise für Grünstrom sowie Fracht- und Agrarprodukte.
Bedeutung der EEX für den Energiemarkt
Weil an der Börse offen gehandelt wird, entstehen Preise, die Angebot und Nachfrage abbilden. Daran orientieren sich Energieversorger und Industrieunternehmen, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit. Für Sie als Abnehmer ist vor allem eines relevant: wie sich Börsenpreise in einem konkreten Angebot niederschlagen — denn zwischen Settlement und Lieferpreis liegen Netzentgelte, Abgaben, Umlagen und die Marge des Lieferanten. Dazu kommt die Versorgungssicherheit: Die hohe Liquidität erlaubt es, Risiken abzusichern, und das stabilisiert den Markt auch in volatilen Phasen.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Die Energiewirtschaft verändert sich, und mit ihr das, was an einer Energiebörse überhaupt gehandelt wird: mehr erneuerbare Erzeugung, dezentraler verteilt, dazu die Vorgaben des Klimaschutzes.
Sichtbar wird das an den Produkten. Der Handel mit Herkunftsnachweisen für Grünstrom ist inzwischen eine eigene Produktlinie der Gruppe, mit eigenen Auktionen und Terminkontrakten.
Fazit
An der European Energy Exchange entstehen die Referenzpreise, auf die sich Lieferanten in ihren Angeboten beziehen. Für Abnehmer ist die Börse damit vor allem ein Maßstab: Sie zeigt, ob ein Angebot zum Marktumfeld passt. Wie aus diesem Marktgeschehen ein Preis für Ihre Abnahmestelle wird, zeigen wir Ihnen im Ablauf einer Ausschreibung in fünf Schritten.



